Mittwoch, 21. Februar 2018

Falsche Austern - Catherine Simon

Und wieder ein Volltreffer! 

Dieser Krimi zeigt Normandieflair, Kunsthandel, Eifersucht und Integrationsprobleme!

Sabine Grimkowski schreibt als Catherine Simon die Krimireihe um Kommissar Leblanc. In ihrem 4. Band "Falsche Austern" schickt sie ihn in die Kunstfälscherszene und verwickelt ihn in Probleme von Algerienfranzosen. Die Reihe erscheint im Goldmann Verlag.
Honfleur, Normandie: Albert Barat, der Leiter des Kunstmuseums unternimmt eine kleine Segeltour entlang der Küste. Er braucht dringend Ablenkung von seinen quälenden Gedanken, denn vor zwei Tagen hat er erfahren, dass das bedeutendste Gemälde seines Museums, »Stillleben mit Austern und Zitrone«, eine Fälschung ist. Außerdem fühlt er sich verfolgt. Als Barat sein Segelboot betritt, trifft ihn ein tödlicher Schuss aus dem Hinterhalt. Kommissar Jacques Leblanc übernimmt den Fall, ist aber nicht ganz bei der Sache, da er unter Liebeskummer leidet. Und das hat beinahe fatale Folgen ...

 
Diese Krimireihe aus der Normandie mag ich sehr und ich bin wieder einmal Leblancs turbulentem Privatleben und seinen Ermittlungen gerne gefolgt. Seine Freundin Marie hat einen neuen Mann, ein unscheinbarer Typ, der sich als indirekter Nachfahre von Napoleon vorstellt. Jacques ist furchtbar eifersüchtig und versucht dem Rivalen das Leben schwer zu machen und Marie wieder ganz für sich zu gewinnen. Wie er das macht, ist äußerst amüsant zu beobachten und er geht dabei mit viel Raffinesse vor. Schliesslich ist er ja Kommissar und kennt einige Tricks.
Jedoch leidet unter seinem Liebeskummer auch seine Aufmerksamkeit für die laufende Mordermittlung. Außerdem wird Leblanc von oberster Polizeiebene zur Zusammenarbeit mit einem junge Kollegen, Luc Pennard aus Le Havre verdonnert. Die bessere Zusammenarbeit der Dienststellen soll für höhere Aufklärungsquoten sorgen. Dabei ist Leblanc lieber im Alleingang unterwegs und es passt ihm gar nicht, seinem Kollegen über jede neue Erkenntnis und jeden Schritt zu unterrichten. Aber er fügt sich, in Gedanken ist er sowieso mehr bei Marie. Als ihn dann auch seine Mutter aus Kamerun besucht und ihren 13jährigen Stiefsohn Dayo mitbringt, ist Jacques mehr als genervt. Doch auch hier gewöhnt er sich an den Jungen und nimmt ihn sogar auf Ermittlungseinsätze mit. Heimlich natürlich!
Das Mordopfer Albert Barat war nicht nur anerkannter Museumsleiter, er hat sich auch als Nachfahre von Algerienfranzosen sehr für die Integration von Bewohnern aus dem Maghreb stark macht. Catherine Simon lässt nicht nur Eindrücke über die Kunstfälscherszene und den internationalen florierenden Handel mit Duplikaten berühmter Gemälde in ihren Krimi einfliessen. Sie vermittelt auch tiefe Einblicke in die Problematik von Migranten der zweiten Generation. Sie zeigt das Leben von Algerienfranzosen und die Probleme von chancenlosen Jugendlichen aus den Maghrebstaaten, die gegen die französische Gesellschaft rebellieren. Der ideale Nährboden für islamistischen Terror und organisiertes Verbrechen.
Aber wer ist denn nun für den Mord verantwortlich? Sind es kampfbereite Gewaltäter aus der islamistischen Szene oder doch eher Kunstfälscher? 
Wieder sorgt die ausgewogene Mischung zwischen Ermittlungsgeschehen und Privatleben für gute Unterhaltung. Die Spannung bleibt dabei nicht auf der Strecke und die Einblicke in Migration und Kunstszene sorgen für den nötigen Tiefgang. 
Dieses Buch ist absolut genüsslich zu lesen. Mir liegt der angenehme, ruhige Erzählstil von Catherine Simon und ich mag die charmanten Charaktere. Eine unblutige Handlung vor dem Flair der Normandie mit der französischen Küche sind weitere Bausteine für diesen perfekt gestrickten Krimi.
 

Dienstag, 20. Februar 2018

Neuzugänge # 73

Im Frühjahr und damit pünktlich zur Buchmesse in Leipzig gibt es wieder haufenweise Neuerscheinungen, die den Buchmarkt überschwemmen. Da kann die Wunschliste schon mal ellenlang werden, aber was nützt ein übervoller SuB, wenn man nicht alles lesen kann. 

Ich suche mir sehr gezielt meine Bücher aus, bei Reihen halte ich mich generell etwas zurück. 
Aber es gibt eben auch Reihen, die ich sehr gut finde und unbedingt weiter verfolgen muss, hier seht ihr nun das Ergebnis meiner Zurückhaltung! :-)



Vom Piper Verlag habe ich den neuen Alpenkrimi von Nicola Förg mit dem Titel "Rabenschwarze Beute" erhalten. Bei der Autorin bewundere ich immer die vielen eingebrachten Umweltthemen oder andere aktuelle Probleme unserer Gesellschaft. Ob nun Hundehandel, Gülleproduktion oder Forstwirtschaft und Jagdwesen, man lernt bei ihren regionalen Krimis immer etwas dazu. Aber ich mag auch ihre Ermittlerinnen Irmi Mangold und Kathi Reindl. 

Inhalt: 
In "Rabenschwarze Beute" (Band 9) wird zu Silvester ein Architekt erschossen, der sich für den Vogelschutz engagierte. Er wetterte gegen Sommerfeuerwerke, gegen Böllerschützentreffen und gegen Windkraftanlagen. Damit machte er sich auch viele Feinde und das erschwert die Ermittlungen. Als ein vierjähriges Kind, die Tochter einer Modebloggerin, verschwindet, finden sich plötzlich Verbindungen zu einem 10 Jahre zurückliegenden Fall. 


Über das Bloggerportal erreichte mich der 4. Fall für Kommissar Leblanc "Falsche Austern" aus der Feder von Catherine Simon. Die Buchreihe erscheint im Goldmann Verlag und die Handlung spielt in der Normandie, dort weiß man zu leben und vor allem, gut zu essen. Das Essen spielt in diesen Krimis meistens eine große Rolle, denn der Ermittler isst sehr gern. Wobei mir Austern nicht ganz so zusagen, aber der Krimi liest sich gewohnt interessant und vermittelt Einblicke in das Leben von Algerienfranzosen, aber auch in die Kunstszene.


Inhalt: 
Albert Barat, Leiter des Kunstmuseums unternimmt eine kleine Segeltour entlang der Küste. Er braucht dringend Ablenkung von seinen quälenden Gedanken, denn vor zwei Tagen hat er erfahren, dass das bedeutendste Gemälde seines Museums, »Stillleben mit Austern und Zitrone«, eine Fälschung ist. Außerdem fühlt er sich verfolgt. Als Barat sein Segelboot betritt, trifft ihn ein tödlicher Schuss aus dem Hinterhalt. Kommissar Leblanc übernimmt den Fall, ist aber nicht ganz bei der Sache, da er unter Liebeskummer leidet. Und das hat beinahe fatale Folgen ...


Und noch ein weiteres Buch ist bei mir eingezogen. Ich hatte bei vorablesen mit meinem Leseeindruck Glück und bekam das Buch "Kühn hat Ärger" von Jan Weiler aus dem Piper Verlag zugeschickt.



Mein Eindruck der Leseprobe: 
Martin Kühn ist mit seinem Kollegen Steierer auf der Suche nach dem Mörder eines jungen Mannes.
Die Ermittlungen führen ihn in die Welt der Reichen und Schönen. Das ist gar nicht seine Welt und die harmonische Ebene, die ihn hier erwartet scheint auch nicht normal zu sein. Was wird hier gespielt? Denn so nett und hilfsbereit es hier auch scheint, es ist ein junger Mann erschlagen worden. Ein ausländischer Mitbürger, der der Freund der Tochter des Hauses war. Hat die Familie etwas gegen die Beziehung gehabt?
Der Erzählstil ist unterhaltsam, detailgenau wird hier beobachtet und man erlebt die Dinge aus nächster Nähe mit.


Alles Bücher, die ich mir sehr gewünscht habe. Nun brauche ich nur genügend Lesezeit! :-)


Liebe Grüße und habt eine gute Woche! 
 


Montag, 19. Februar 2018

Libellenschwestern - Lisa Wingate

Unglaublich berührender und dramatischer Roman über die tiefe Verbundenheit zwischen Geschwistern. Besonders der wahre Hintergrund ist dabei so erschreckend.

 

Lisa Wingates Roman "Libellenschwestern" erscheint als deutschsprachige Ausgabe 2018 im Limes Verlag

Memphis, Tennessee:
1939 lebt die 7-köpfige Familie Foss auf dem Mississippi als Flußzigeuner auf einem Hausboot. Queenie, die Mutter von vier Mädchen Rill, Camellia, Lark, Fern und einem Sohn, Gabion, liegt in den Wehen, die Geburt ist kompliziert, denn sie erwartet Zwillinge. Ohne ärztliche Hilfe wird sie die Geburt nicht schaffen, also bringt sie ihr Mann Briny in ein Krankenhaus. Die fünf Kinder bleiben im Boot allein zurück und werden von Mitarbeitern in ein Waisenhaus der Tennessee Childrens´s Home Society in Memphis gebracht. Den Kindern wird erzählt, dass die Eltern sie bald wieder abholen werden und sie fügen sich in ihr Schicksal. Rill hat mit ihren 12 Jahren das Versprechen abgegeben, auf ihre Geschwister aufzupassen. Doch sie hat mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die sie nicht erahnen kann. 



Dieser Schicksalsroman basiert auf wahren Gegebenheiten und zeigt das Ausmaß an tragischen Ereignissen verschiedener Personen, in diesem Fall am Beispiel einer fiktiven Familie und ihren 5 Kindern, die ein einfaches Leben auf einem Hausboot auf dem Mississippi führen.

Die Tennessee Childrens´s Home Society unter der Führung von Georgia Tann war ein grausames Kapitel in der Waisenhaus- und Adoptionsgeschichte von Memphis in den 20er bis 50er Jahren. Unter dem Deckmantel der Fürsorge für arme, unerwünschte und vernachlässigte Kinder, wurden Babies und Kleinkinder durch Späher ausgesucht, ihren Eltern abgeluchst oder sogar verschleppt, um dann gegen Geldzahlungen an adoptionswillige Eltern verkauft zu werden. Die Heime wurden nicht kindgerecht geführt und niemand ging den wahren Machenschaften der geldgierigen Kriminellen nach, der Skandal wurde selbst von höheren Regierungskreisen unterstützt. Offiziell wurden armen Kindern ein neues Heim und bessere Lebensbedingungen geboten. Aber eigentlich war das nur Kinderhandel in übelster Art und Weise und es betraf Tausende von Kindern, die nie wieder in ihre Familien zurück kehrten. 

In ihrem Roman arbeitet Lisa Wingate die schrecklichen Schicksale dieser den Familien entrissenen Kinder auf.

Dazu stellt sie in einem Handlungsstrang das Leben auf dem Hausboot und die Entführung und den weiteren Verlauf der Kinder der Familie Foss dar. Es sind schöne, bildhafte Darstellungen von der Natur, vom Leben auf dem Fluss, von Armut und Familienleben und dem engen Zusammenhalt der Geschwister, aber auch sehr betroffen machende Schilderungen durch die Verschleppung ins Waisenhaus und den schlimmen Machenschaften vor Ort.


Circa 70 Jahre später macht Avery Stafford, eine junge Juristin, in einem Altenheim eine ungewöhnliche Entdeckung. Ihr Libellenarmband, ein Familienerbstück, wird von der über 90jährigen Bewohnerin May als ihres erkannt. Diese Erkenntnis bringt Avery dazu, sich auf die Suche nach dem dahinter liegenden Familiengeheimnis zu machen, denn ihre Großmutter ist an Demenz erkrankt und von ihr sind keine Informationen zu erfahren. Avery kommt zu erschütternden Erkenntnissen, die auch ihr eigenes Leben verändern werden.

Mich hat diese Geschichte sehr berührt und ich habe insbesondere mit Rill und den anderen Kindern mitleiden müssen. Es ist schwer zu glauben, wie herzlos und ohne jegliche Schuldgefühle Giorgia Tann und ihre Mitarbeiter mit den Kindern umgingen und sie wie eine Handelsware auf dem "Markt" zu Geld machten. Der Autorin lag sehr an einer Publikmachung dieses Skandals und das ist ihr mit ihrer Aufarbeitung in Romanform ausgesprochen gut gelungen. 

Wie hier die kindliche Protagonistin Rill/May ihre inneren Kämpfe ausfechtet, um ihre Geschwister zu schützen, ist überaus beeindruckend und überzeugend dargestellt. Sie allein vermag es nicht, sich gegen die Mitarbeiter zu wehren, auch wenn sie es noch so gern möchte. Die ständige Angst um die Geschwister und die Strafen im Heim hat man als Leser dauernd vor Augen und man möchte sie am liebsten beschützen.
Dieses Bild von Kinderheimen setzt sich dauerhaft fort, es wird nicht nur im amerikanischen Heimen solche Machenschaften gegeben haben, das ist nach dieser Lektüre das schlimme Resümee. Man kann nur hoffen, dass heutige Jugendämter mehr Kontrolle ausüben.

Die Nachforschung Averys sorgt für den neueren zeitlichen Bezug, man möchte mit ihr hinter das Geheimnis ihrer Großmutter kommen. Es gibt noch eine eher nebensächlich verlaufene Liebesgeschichte, die sich nicht so sehr in den Vordergrund drängt.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr detaillreich, bildhaft und lebendig gestaltet, man findet sich in Rills kindlicher Sichtweise wieder und erkennt ihre Liebe zu den Geschwistern sehr genau. Ebenso deutlich wird auch der Zwiespalt von Avery in ihrer Verantwortung für den guten Ruf ihrer Familie. Doch im Ganzen folgt man viel gespannter Rill und ihren Erlebnissen.  

Das Ende klärt einige Ungereimheiten auf, es führt Menschen zusammen und kann doch die Lücken der Familien nicht endgültig schliessen. 


Ein Schicksalsroman, der den Leser teilhaben lässt an kindlichen Schicksalen und der besonders die tiefe Verbundenheit zwischen Geschwistern sehr gut zeigt. Von mir eine volle Leseempfehlung, denn so etwas darf sich nicht wiederholen. 


***Herzlichen Dank für dieses Leseexemplar aus dem Limes Verlag, ich habe es von Buecher.de als Buchflüsterin erhalten!***




Sonntag, 18. Februar 2018

Finde mich - bevor sie es tun - J. S. Monroe


Verwirrende Verknüpfung von psychischer Gewalt, Gefangenschaft und Agententhriller


J.S. Monroe ist das Pseudonym von Jon Stock, der Thriller "Finde mich - bevor sie es tun" ist sein erstes Buch, das im Blanvalet Verlag erscheint.  

Cromer Pier, Großbritannien: Rosa Sandhoe ist eine junge Frau und nimmt sich mit einem Sprung ins tosende Wasser das Leben, kurz zuvor hat sie ihren Vater verloren. Doch hat sie wirklich die Trauer in den tragischen Tod getrieben? Selbst als bereits fünf Jahre vergangen sind, kann Rosas Freund Jar immer noch nicht an einen Selbstmord glauben und hofft immer noch auf ein Lebenszeichen von Rosa. Schliesslich bekommt er eine Nachricht von Rosa: Finde mich, Jar. Finde mich, bevor sie es tun …


Ist Rosa wirklich noch am Leben oder ist das nur der Wunschgedanke ihres Freundes Jar? Sieht er Gespenster oder nur Bilder seiner eigenen Fantasie? Man kann es als Leser nicht genau einschätzen und so wirkt das Ganze dann auch sehr spannend und geheimnisvoll. Darin liegt aber auch gleichzeitig meine Kritik.

Diesem Thriller muss man sehr aufmerksam folgen. Es gibt zwei zeitliche verschiedene Handlungsstränge aus der Sicht von Jar, die immer wieder eine neue Sicht auf die Vorkommnisse bringen, doch die Gesamtheit ist lange Zeit nicht klar. Später werden Briefe von Rosa eingebunden und zusätzlich noch grausame Szenen von Tierversuchen gezeigt. Auch die Einbindung von Geheimdienst und die aussichtslos erscheinende schlimme Situation einer Gefangenen sorgen für zusätzlichen Thrill und halten die Spannungskurve recht hoch.
Mich hat das allerdings alles sehr verwirrt und ich weiß gern, worum es in der Handlung genau geht. Mit den einzelnen Schilderungen wird von Monroe eine unheimliche und ungeklärte Stimmung verbreitet, die irgendwann nicht mehr mein volles Interesse hatte. Es erscheint alles zu diffus und die Einblicke in Verhaltensforschung, die Anwendung von Psychopharmaka und die widerwärtigen Versuchszwecke konnten mich nicht packen. Mit Guantanamo und Waterboarding kommen noch weitere grausame Eindrücke hinzu.

Was dabei deutlich wird, hier ist ein Psychopath am Werk, dessen Beweggründe man nicht verstehen kann. Auch die Charaktere haben mich nicht überzeugt, weil ich mich ihnen nicht nahe fühlen konnte. Lediglich die kursiv gezeigten Szenen der Gefangenschaft Rosas haben mich geschockt und mitgenommen.

Wobei ich sagen muss, dass der Autor den Leser wirklich hinters Licht führt und auch das Ende hat mich überrascht und bei mir zu einem erlösenden Aufatmen gesorgt.

Die Vermischung von Beziehungsgeschichte, Psychostory und Agententhriller sind eine interessante Idee, mir hat das nicht so gefallen. Es wird einfach versucht, viele Bereiche abzudecken und ich fühlte mich dadurch und durch die Psychospielchen überfordert und der Täter war mir auch am Ende ein Rätsel.

Es ist schon ein Thriller mit einem faszinierenden Psychothrill, dennoch konnte mich das Buch einfach nicht packen.


***Herzlichen Dank an den Blanvalet Verlag und das Bloggerportal, die mir dieses Reziexemplar zugeschickt haben!***




Freitag, 16. Februar 2018

Nirgendwo in Afrika - Stefanie Zweig

Liebeserklärung an Afrika vor dem Hintergrund des 2. Weltkrieges

Kultureller Brückenschlag toll erzählt

Stefanie Zweig emigrierte mit ihren Eltern 1938 nach Kenia und schrieb darüber 1995 ihren Roman "Nirgendwo in Afrika". Das Buch erscheint im Heyne Verlag. Die Verfilmung durch Caroline Link bekam den Oscar im Jahr 2003 als bester ausländischer Film.

Regina erlebt das Abenteuer der Emigration nach Kenia an der Seite ihrer Eltern, die 1938 Oberschlesien verlassen müssen. Als Juden werden sie Opfer der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Rasch erliegt Regina dem Zauber Afrikas und findet eine neue Heimat. 
 


Dieses Buch hat mich schon vor Jahren sehr fasziniert, denn das Leben der Familie Redlich im fernen Afrika wird darin eindringlich beschrieben. Den Eltern gelingt das Eingewöhnen sehr schwer, zu sehr hängen sie an ihrer Vergangenheit in ihrer alten Heimat und die Sorge um ihre jüdischen Freunde und Verwandte ist groß. Es wird schnell klar, wie schwer es dadurch in einer neuen Welt fällt, dort etwas neu aufzubauen und Wurzeln zu schlagen. Die dabei entstehenden Konflikte mit Traditionen, Erziehung und emotionalem Heimweh machen einen Neuanfang problematisch. Die ältere Generation flüchtet vor einer ungewissen Zukunft in eine Scheinwelt. Nur die Kinder können sich mit der neuen Situation unbelastet von Erinnerungen arrangieren und die neue Heimat annehmen.

Dabei findet Regina einen neuen Freund und innigen Vertrauten, den Hausboy Owour, der ihr Afrika, seine Menschen und die Natur näher bringt.
Das unterstreicht Stefanie Zweig mit ihren bildhaften, recht poetischen
Vergleichen. 
"Stimmen, so hoch wie der Ruf eines Vogels, der die ersten Regentropfen auf den Flügeln fühlt!" 
Solche Sätze zeigen die Naturverbundenheit der Schwarzen, zu der Regina dank Owour Zugang findet.
 


Gern hätte ich noch mehr über das Leben der Kenianer selbst gelesen, es wird jedoch mehr die eigene Vertriebenengeschichte aufgearbeitet.

Viele Hintergründe der Jahre 1938-1959 ergeben ein klares Bild sowohl aus jüdischer Sicht als auch aus Sicht der Menschen in der Nachkriegszeit. Wie die Familie Redlich ihren Weg geht, ist eine Möglichkeit und wie Regina diese Zeit erlebt, macht Hoffnung auf Neuanfänge und eine positive Vergangenheitsbewältigung.


Ein eindringliches Buch, das Brücken schlägt zwischen Völkern und Kulturen. Es zeigt wie gerade Kinder für neue Wege offen sind. Stefanie Zweig ist mit diesem Buch ein persönliches Ansinnen gelungen, diese Brücken aufzuzeigen. 
 
 

Freitags-Füller # 77



  
    

 

Immer wieder kommt ein neuer Freitag ... und damit der Freitagsfüller! 

 

Dies ist ein Projekt von Barbara von  Scrap-Impulse

Ein kleiner Lückentext zum Ausfüllen.

 

1. Die Kombination von Lesen und Bloggen benötigt eine Menge Zeit, man muss aufpassen, dass sich beide Themen nicht behindern. Denn es soll ja ein Hobby bleiben.

 

2. Die derzeitigen Wetterbedingungen mit Sonne, blauem Himmel und klarer kalter Luft sind herrlich, graues Einerlei ist überflüssig.

 

3. Pizza mit Oregano und Käse also Margherita esse ich am liebsten und die erinnert mich so herrlich an unseren Urlaub auf Ischia. 


4. Das graue Einerlei mit Regen steckt mir in den Knochen und ich finde es auch total ungemütlich.

 

5. Ich sag besser nicht, und da wäre ich mal wieder beim Thema Politik, was ich von den Regierenden denke.

 

6. Bisher habe ich die Olympischen Winterspiele noch gar nicht verfolgt, ich habe es gar nicht so auf dem Schirm.

 

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf eine schöne Chorprobe (endlich mal wieder) morgen habe ich einen Kabarett-Besuch geplant und Sonntag möchte ich bei meiner Tochter Waffeln mit heißen Kirschen essen.



Und welche Pläne habt ihr für das Wochenende gemacht? Seid ihr noch im Schnee aktiv oder lieber Couchpotatoe mit Buch? :-)

Liebe Grüße (von der Couch)!

 

Donnerstag, 15. Februar 2018

Top Ten Thursday # 46




                       


Donnerstag ist TTT Top Ten Thursday bei Weltenwanderer.  Worum geht es beim TTT? Es geht um Listen, eigentlich um Bücherlisten und jeden Donnerstag gibt es eine neue Aufgabe/Frage bei der man seine persönliche Top Ten zusammenstellen kann.


 
Das aktuelle Thema lautet heute:

"Valentinstag - Deine 10 liebsten Liebesgeschichten" 

Ich bin in letzter Zeit eine echte Romanleserin geworden, dazu gehören auch eine Menge Liebesromane. Hier die 10 besten Titel rauszupicken ist ganz schön schwer. Nach einigem Suchen und Schieben habe ich mich für diese entschieden:

 

- Sommer in St. Ives von Anne Sanders Rezi 

 

- Heute fängt der Himmel an von Kristin Harmel Rezi


- Mirabellensommer von Marie Matisek  Rezi

- Unsere Seelen bei Nacht von Kent Haruf  Rezi

- Frühlingsglück und Mandelküsse von Emilia Schilling Rezi 

- Die Blütensammlerin von Petra Durst-Benning  Rezi

- Wenn das Leben Loopings dreht von Theresia Graw Rezi

 

Milchkaffee – Das Glück der Liebe: Roman  Susanna Ernst Rezi
Bildergebnis für Milchkaffee – Das Glück der Liebe: Roman


Nach ihm die Sintflut von Jule Maiwald Rezi



- Ziemlich unverbesserlich  Frauke Scheunemann Rezi




Welche Romane habt ihr als Valentinsbücher ausgewählt? 

Montag, 12. Februar 2018

Montagsfrage # 69










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Jeden Montag veröffentlicht Buchfresserchen eine Frage auf ihrem Blog, die man dann innerhalb von 7 Tagen beantworten kann. 

 

Wenn du Romantik in Büchern magst, was sind für dich absolute No-Gos bei einer Liebesgeschichte?


Ich mag Liebesgeschichten, die nicht vorhersehbar sind und mit zuviel Kitsch und Gefühlsgedusel daherkommen. Auch kann ich es nicht lange ertragen, wenn die Protagonisten ununterbrochen Süßholz raspeln. Etwas Romantik darf jedoch schon sein. 

Die Liebe muss nicht gleich offensichtlich sein, sie muss sich allmählich entwickeln und nicht wie aus dem Hut gezaubert erscheinen. Auch muss das Buch eine gewisse Tiefe und einen gewissen Anspruch mit sich bringen, der nicht zu oberflächlich und seicht wirkt. Wenn zum Beispiel die Protagonistin immer weiche Knie bekommt und ständig beim Auftauchen ihres Schwarms etwas fallen lässt oder nur noch stottern kann, mag das ja ganz witzig sein, aber wenn sich das dann dauernd wiederholt, bin ich raus aus der Geschichte. 

Es geht ebenfalls für mich gar nicht, wenn die weiblichen Figuren auf ihren starken Helden warten, der sie dann passend in sein Leben einbaut. Hier müssen schon starke emanzipierte Frauenfiguren vorhanden sein, die auch noch selbst funktionieren. 

Ansonsten mag ich lebhafte Stories mit Humor und überraschenden Wendungen, mit Figuren, die nicht immer nur stöhnen und sich lieben, sondern auch noch eine gedankliche Verbindung miteinander eingehen.  
Das ist auch ein Grund weshalb ich erotische Bücher kaum lese, sie sind mir einfach zu hohl und nicht mit literarischem Tiefgang versehen. 



Wie seht ihr das? Mögt ihr kitschige Liebesschnulzen? 

  


Sonntag, 11. Februar 2018

Neuzugänge # 72

Gerade bin ich von einem netten Kaffee-Besuch zurückgekehrt und möchte euch noch die letzten Buchzugänge kurz vorstellen. 
Es sind wieder ein paar schöne Titel ins Regal gezogen, die ich euch gerne mit Kurzinfo zeigen möchte. 


  
"Liebe M. Du bringst mein Herz zum Überlaufen" von Anna Paulsen aus dem Penguin Verlag ist ein Roman über Briefe und eine junge Frau, die ihren Platz im Leben finden muss. Dabei fungiert sie als Glückbotin in Sachen Liebesbriefe und legt dadurch nach und nach ihre zurückgezogene Lebensweise ab. Sie wird offen für das Leben und findet auch ihre große Liebe. Das Buch habe ich beim Bloggerportal angefragt, weil mich das Cover sofort verzaubert hat und ich konnte es kaum wieder aus der Hand legen. Deshalb ist es auch schon gelesen und rezensiert. Hier gibt es die Rezi.


Von buecher.de bekam ich überraschenderweise ein Leseexemplar: 
Der Roman "Libellenschwestern" von Lisa Wingate erscheint im Limes Verlag. Das Buch ist begründet auf wahren Gegebenheiten in Amerika in der ungefähren Zeitspanne von 1920 bis 1950. Damals wurden Kinder aus Krankenhäusern, Vorgärten oder einfach von der Straße weg entführt, um sie dann gegen Geld für Adoptionen zu verkaufen. Die Kinder wurden von einer Frau namens Georgia Tann als Weihnachtsgeschenke angeboten. Eine entsetzliche Vorstellung, die sich schätzungsweise bei 5000 Kinder-Schicksalen abgespielt hat. Jahrzehntelang suchten die Eltern nach ihren verschwundenen Kinder. Erst 1996 gelang es den biologischen Eltern, rechtlich abgesichert die Adoptionsunterlagen einzusehen.
Lisa Winsgate versucht durch ihren Roman, diesen Kindern eine Stimme zu geben und ihre Geschichte zu erzählen.


Aus dem Suhrkamp Verlag erreichte mich von Jürgen Teipel "Unsere unbekannte Familie". Darin erzählt der Autor verschiedene wahre Begegnungen zwischen Mensch und Tier. Es geht um verschiedene Tiere, man reist in viele Gegenden und erfährt von unterschiedlichen Erlebnissen. Man bekommt einen Eindruck davon, was Tiere denken, fühlen und wie Tiere ihre Intelligenz oder ihren Instinkt in verschiedenen Situationen anwenden. Man erlebt das Seelenleben der Tiere aus nächster Nähe. Manche Tiere haben so etwas wie Mitgefühl und Freundschaft auch untereinander und die Grenze zwischen Mensch und Tier scheint teilweise aufgehoben zu sein. 


Liebe Grüße und noch einen schönen Restsonntag,
Barbara!





Samstag, 10. Februar 2018

Liebe M, Du bringst mein Herz zum Überlaufen - Anna Paulsen

Ein berührender Gute-Laune-Roman, der die gute alte Zeit der Briefe heraufbeschwört.


Briefe fürs Herz


Der Roman "Liebe M. Du bringst mein Herz zum Überlaufen" wurde von der Autorin Anna Paulsen verfasst und erscheint 2018 im Penguin Verlag

Matilda lebt zurückgezogen, geht in ihrem Beruf auf und liebt geregelte Tagesabläufe ohne große Veränderungen. Andere freuen sich auf das Wochenende, sie freut sich auf die Arbeit, um sich dann  im Amt für nicht zustellbare Post den vielen interessanten Briefen widmen. Eines Tages findet sie einen 50 Jahre alten Liebesbrief, der ihr sehr zu Herzen geht und sie beschliesst, den Empfänger ausfindig zu machen. Dazu muss sie eigene Hürden überwinden und öffnet sich so auch ihrem eigenen Leben. Wird es ein Happy End geben?





"Liebe ist doch soviel wichtiger als alles, was man mit Geld kaufen kann." Zitat Seite 55

Matilda ist irgendwie altmodisch, ein ganz besonderer Mensch, eine einfühlsame Seele, die stets das Wohl anderer im Blick hat. Sie ich schon etwas speziell, denn sie hat weder Internet noch Smartphone, keinen Freund und nicht einmal einen Führerschein. Aber sie ist nicht etwa eine alte Frau, nein, sie ist jung und hübsch und möchte genau so leben. Es bedarf erst einen wunderbaren Liebesbriefes, der vor 50 Jahren leider verloren ging und dem guten Zureden ihres älteren Nachbarn Knut, Matilda mitten hinein ins Leben zu schicken. Er ermuntert sie, sich um die nicht zugestellten Briefe zu kümmern und die Menschen dahinter zu finden.

Aus Matildas Perspektive erlebt man ihre Welt, begleitet sie zur Arbeit, sieht wie sie Annäherungsversuche eines Kollegen im Keim erstickt und erkennt ihre Gedanken und Gefühle. Die Suche nach Leni und Michel ist berührend und man versteht Matilda voll und ganz, dass sie diesen Brief zustellen möchte. Denn Leni ist inzwischen alt und krank und hat von dem Eheversprechen im Brief nie erfahren. Ich habe mitgefiebert, ob Matilda Leni noch davon berichten kann. Mehr kann ich hier nicht verraten. 

"Schicksal ist, was man selbst aus den Zufällen macht, die das Leben einem beschert." Zitat Seite 251
 
Es ist schön zu sehen, wie sich Matilda allmählich aus ihrer selbstgewählten Komfortzone herausbewegt und auf fremde Menschen zugeht, wie sie Verantwortung übernimmt und freier und selbstsicher wird und im Leben ankommt. Man erlebt sie sogar bei einem Speed-Dating und fährt mit ihr ans Meer. Es gibt lustige, traurige, emotionale und glückliche Momente. Für mich ist das ein schönes unterhaltsames Gute-Laune-Buch. 
Aber auch ein Buch, dass mir viele schöne Briefe vor Augen hält, die heute nicht mehr selbstverständlich sind. Wer schreibt schon noch Briefe und vor allem, wer versucht, seine tiefsten Gefühle in Briefen auszudrücken? Die gezeigten Beispiele sorgen für ein ganz besonderes Flair, wie eine Reise in die Vergangenheit. Das wird auch durch den einfühlsamen Schreibstil der Autorin gut unterstrichen.

Mich hat das Buch gefesselt, auch wenn es einige Szenen gibt, die sich etwas in die Länge ziehen. Man möchte Matilda manchmal einfach an die Hand nehmen und führen, aber sie muss ihren Weg allein finden. Nur so kann sie im Leben ankommen. 

 
Ein bezauberndes Lesevergnügen um eine Liebesgeschichte, die nach 50 Jahren endlich ihren Abschluss findet und andere Wege ins Leben eröffnet. 


***Herzlichen Dank für dieses Rezensionsexemplar aus dem Penguin Verlag!*** 


Freitag, 9. Februar 2018

Freitags-Füller # 76





  
    

 

Immer wieder kommt ein neuer Freitag ... und damit der Freitagsfüller! 

 

Dies ist ein Projekt von Barbara von  Scrap-Impulse

Ein kleiner Lückentext zum Ausfüllen.

 

1. Momentan verhindert /behindert das geschlossene Schwimmbad meine körperliche Fitness gewaltig.

 

2. Die derzeitigen Wetterbedingungen sorgen für warme Kleidung und das hilft auch gut gegen kalte Füße.

 

3.  Am liebsten wäre ich jetzt gerne auf einer sonnigen Insel im Atlantik. 

 

4. Diese wochenlangen Diskussionen und Verhandlungen der Politiker, muss das denn sein?

 

5. Ich habe keine Ahnung, für mein Leben, meine Freiheit und meine Familien und Freunde.

 

6. Eine Überraschungsparty mit Freunden und Familie würde ich mir wünschen, wenn ich morgen Geburtstag hätte.

 

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf einen gemütlichen Abend zuhause, morgen habe ich ein wenig Schreibkram zu erledigen und Bücherzimmer aufräumen (letzte Woche nur begonnen) geplant und Sonntag möchte ich meine Tochter besuchen.



Und welche Pläne habt ihr für das Wochenende gemacht? Seid ihr im Faschingsfieber oder gehört ihr zu den Nicht-Narren? :-)


Donnerstag, 8. Februar 2018

Tod in Jena - Christoph Heiden

Dieser Krimi ist ungewöhnlich und bitterböse 



Was wird hier gespielt?


"Tod in Jena" ist der zweite Band der Krimireihe um Henry Kilmer von Autor Christoph Heiden. Der Regionalkrimi aus Jena erschien 2016 im Emons Verlag.


Jena: Die Kommissare Henry "Samurai" Kilmer und Linda Liedtke ermitteln im Umfeld einer Theatertruppe. Ausgangspunkt ist ein Verkehrsunfall, bei dem das Opfer, eine angefahrene Fahrradfahrerin, die Tochter des Jenaer Bürgermeisters ist. Sie hatte K.o.-Tropfen im Blut und nun stellt sich die Frage nach dem Warum. Die Theaterleute lassen sich nur schwer hinter ihren Vorhang blicken. Ist hier ein fanatischer Regisseur am Werk oder sind andere Gründe im Spiel?



"Tod in Jena" ist nach "Teufelsloch" der zweite Fall für den eigenwilligen Henry Kilmer. Ich habe den ersten Band nicht gelesen, konnte aber ohne Vorwissen die Handlung gut verfolgen. 
Rückblickend kann ich sagen, dass ich mich wie ein außenstehender Beobachter gefühlt habe. Bei manchen Krimis schlüpft man automatisch in die Rolle eines Ermittlers, das war hier nicht der Fall.

Durch den Unfall von Caroline kommen die ermittelnden Beamten Linda Liedke und Henry Killmer von K.o.-Tropfen auf einen ganz anderen Fall. Dabei führen die Untersuchungen Henry und Linda ins Theatermilieu. Es wird für sie eine umfangreiche Aufgabe, denn es gibt etliche Personen, die beim Theaterverein anwesend waren.

Mir hat die düstere Stimmung des Krimis gut gefallen und dazu passt der einzelgängerische Henry mit seiner schweigsamen Art auch sehr gut. Man erfährt von seiner Freundschaft zu Jasmin, die ihn aber auch nicht positiver macht. Ihm macht ein dunkles Geheimnis aus seiner Kindheit zu schaffen, er hat Alpträume und ist alles andere als ein positiver, fröhlicher Mensch. Seine Kollegin Linda ist berufserfahren und kann mit Henrys Art zwar persönlich nichts anfangen, kommt aber damit im Job einigermaßen klar. Sie sorgt sich um ihn und wirkt ein wenig wie ein Mutterersatz. Doch dafür ist nicht viel Zeit, denn bei dem Fall geht es gegen die Zeit. Der unkonventionelle Kollege Lennart Mikowski ist ebenfalls ein interessanter Typ, mit seiner optischen Erscheinung wirkt er fast wie ein Computer-Freak.

Es ist interessant, bei den Ermittlungen den Theaterleuten über die Schulter zu schauen und dank ihres perfekten Darstellervermögens, kann man sie nur schwer einschätzen und den wahren Charakter eher erraten als erkennen. 

Der Autor bringt fesselnde, aber auch grausame Szenen in die Geschichte ein. Einige Foltermethoden sind für einen Krimi schon fast zuviel. 
Auch wenn hier viel spektakuläre Dinge geschehen und ein Entführungsopfer richtig leidet, finde ich die Spannung nicht kontinuierlich hoch. 

Der lockere Schreibstil liest sich gut, die knappen, fast wie Drehbuchanweisungen wirkenden Sätze lassen den Leser durch die Handlung fliegen und dennoch sind genügend bildhafte Elemente eingebaut. Ich kann mir die Story gut als Film vorstellen.


Christoph Heidens Krimireihe ist vielschichtig und zeigt eigenwillige Charaktere, deren Entwicklung ich gern weiter verfolgen möchte. Ob die Kripo in Jena bald wieder aktiv werden muss? Man wird sehen.

 

Dienstag, 6. Februar 2018

Die Chocolaterie der Träume - Manuela Inusa

Echte Wohlfühlgeschichte mit Suchtpotential 


"Die Chocolaterie der Träume" ist der 2. Band der Romanreihe aus der Valerie Lane von Manuela Inusa. Die Bücher erscheinen im Blanvalet Verlag.

Keira führt mit viel Leidenschaft ihre eigene Chocolaterie in der Valerie Lane. Sie liebt ihren Laden und die Herstellung von Pralinen und den Umgang mit ihren Kunden. Leider ist sie in ihrer langjährigen Beziehung mit Jordan nicht mehr richtig glücklich. Er hat sogar an ihren weiblichen Kurven etwas auszusetzen und das gibt ihr zu denken. Zum Glück hat sie ihre Freundinnen und dann ist da noch dieser gut aussehende Kunde, der jeden Montag bei ihr Pralinen kauft. Wenn er doch nur nicht verheiratet wäre. 



Diese Buchreihe widmet sich nach und nach den verschiedenen Ladeninhaberinnen in der Valerie Lane, einer zauberhaften Einkaufsstrasse in Oxford. Nachdem wir Laurie mit ihrem Teegeschäft näher kennengelernt haben, geht es in diesem Band um Keira’s Chocolates. 

Keira führt mit viel Leidenschaft ihre Chocolaterie und kreiert in liebevoller Handarbeit leckere Pralinen. Bei all den süßen Köstlichkeiten nascht sie nur allzu gern selbst. Man muss ja wissen was man verkauft und wie es schmeckt. Und deswegen hat Keira auch keine Modelmaße vorzuweisen, sondern ist sehr kurvig. Das stört ihren langjährigen Freund Jordan und er macht ihr das auch immer häufiger deutlich. Ihre Beziehung kann man nicht mehr glücklich nennen, sie leben nebeneinander her und Keira leidet unter den Zurechtweisungen von Jordan.

Man wird schnell mit Keira vertraut und fühlt und leidet mit ihr. Jordans Anspielungen machen ihn zum ungeliebten Charakter im Buch. Sieht er denn nicht, dass Keira sich in ihrem Körper doch recht wohl fühlt? Ich konnte mich gut in sie hinein versetzen und habe mich gefragt, warum sie diese unglückliche Beziehung nicht beendet. Auch ihre Freundinnen bestärken sie in diesem Gedanken und dank der Unterstützung gelingt es ihr schliesslich. 


Dieses Buch ist noch "süßer" als der erste Band, das liegt zum Teil an den leckeren Pralinen, aber auch am herzlichen Umgang der Frauen miteinander.
Die Geschichte wird wieder mit sehr viel Sinn für eine schöne Atmosphäre erzählt. Mir gefällt der Zusammenhalt der Frauen in der Valerie Lane ganz wunderbar und es macht richtig glücklich zu lesen, wie sie sich auch für andere Menschen einsetzen. Die Freundinnen bestärken Keiras Selbstbewusstsein und machen ihr Mut für einen schwierigen Schritt in ihrem Leben. Die vorhersehbaren Entwicklungen im Buch verzeiht man hier gerne. 

Dieses Mal trifft man wieder auf alte Bekannte, wie die alte Mrs. Whitherspoon und dann zieht auch noch ein neuer Nachbar hinzu, der den Blumenladen zu neuem Leben erwecken will. 
Ein Mann unter den ganzen Frauen? Man kann auf die weiteren Bände gespannt sein.



Echte Wohlfühlgeschichte, die zwar leichte Lektüre und etwas vorhersehbar ist, aber dennoch durch die schöne Atmosphäre und die vielen Pralinen Suchtpotential hat.


***Vielen Dank an den Blanvalet Verlag für diesen Roman, den ich über das Bloggerportal angefragt habe.***



Die Bände der Valerie Lane Reihe: 
1. Der kleine Teeladen zum Glück 
2. Die Chocolaterie der Träume
3. Der zauberhafte Trödelladen (erscheint am 18. Juni 2018)
4. Das wunderbare Wollparadies (erscheint am 17. September 2018)